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Seit Gründung der St.Lioba Schule im Jahr 1929 ist das Ziel unseres pädagogischen Wirkens die Studierfähigkeit und Persönlichkeits-bildung junger Menschen in einer christlichen Werteorientierung.

Wie das Gehirn lernt und sich erinnert

Neurobiologe Dr. Alexander Lehmann zu Gast an der Sankt Lioba Schule

In der Workshop Reihe „Lerntechniken & Gehirn‟ hielt am 8. Dezember 2018 der Neurobiologe Dr. Alexander Lehmann von der Hertie Stiftung einen Vortrag über „Vorgänge, die beim Lernen im Gehirn ablaufen‟. Trotz des frühen Termins um 10 Uhr an einem verregneten Samstagmorgen waren 23 Schüler und drei Erwachsene erschienen.

Wie spannend der Vortrag war, zeigte sich auch an den vielen Nachfragen, durch die Dr. Alexander Lehmann stel­lenweise kaum vorankam. Auch auf eine kurze Kaf­fee­pause musste er verzichten, weil einige Schüler ihn mit Fragen bedrängten. Zwar ist der Mensch nicht multi­tas­kingfähig, wie aus dem Vor­trag hervorging, aber einen Schluck Kaffee trinken und die Frage anhören geht dann schon noch. Dr. Alexander Leh­mann freute sich über das große Interesse und beantwortete die Fragen gerne und ausführlich. Selbst­ver­ständlich konnte auch der Fachmann nicht alle gestellten Fragen beantworten. Beson­ders zu Presseberichten über bemerkenswerte Fähigkeiten. Hier erläuterte er die wis­sen­schaftliche Herangehensweise an solche Berichte. Zuerst einmal müsste man den Bericht lesen, danach die zugehörigen Forschungsarbeiten im Original. Oft würden diese falsch oder unzureichend zitiert. Wäre dies nicht der Fall und die Fakten immer noch zu sonderbar, dann schaue sich der Wissenschaftler die Methodik an, die bei der For­schungs­arbeit verwendet wurde. Entspricht sie der guten wissenschaftlichen Praxis oder enthält sie handwerkliche Fehler? Hat man dies alles geklärt, kann man meistens die Fragen ausführlich beantworten.

Bei seinem Vortrag erläuterte Dr. Alexander Lehmann übersichtsartig den Aufbau des Gehirns. Dann ging er auf die verschiedenen Arten von Gedächtnissen ein. So zum Bei­spiel das motorische, das emotionale, das deklarative oder das Ortsgedächtnis. Danach ging es in seinem Vortrag darum, wie Informationen von einer Nervenzelle zu anderen übertragen werden. Bis hierher ist für die Fachleute alles schon länger bekannt. Was sich jedoch an diesen Strukturen beim Lernen von neuen Inhalten wie im Gehirn ver­ändert, ist hingegen noch immer nicht völlig verstanden. Klar ist inzwischen, dass sich die Übertragungsstellen der Nervenimpulse von einer Nervenzelle zur anderen, die Synapsen, bei Lernvorgängen verändern. Laufen viele Nervenimpulse über sie, werden sie gestärkt und vergrößert, sind es nur wenige, verkümmern sie oder werden sogar abgebaut.

Bei der Verarbeitung von Erinnerungen arbeiten die Gehirnzellen nach dem heutigen Kenntnisstand als Gemeinschaft zusammen. So sind Erinnerungen als Muster von ver­schiedenen Gehirnzellen gespeichert. Erst durch die synchrone Aktivität der Nerven­zellen (sie „feuern“ zu­sammen) entstehen Muster. Dr. Alexander Lehmann erklärte das am Beispiel eines dunklen Bildschirms, bei dem zufällig an unter­schiedlichen Stellen Punkte aufleuchten. Erst wenn die richtigen Punkte synchron leuchten, erkennt man zum Beispiel den Umriss eines Weih­nachts­baums. Obwohl auch vorher an genau denselben Stellen Punkte aufleuchteten, ist der Weihnachtsbaum erst durch das syn­chrone Leuch­ten zu erkennen, auch wenn die anderen Leuchtpunkte, die nicht an die­sem Umriss beteiligt sind, weiterhin zufällig an- und ausgehen.

Besonders wichtig für das Lernen ist der Schlaf, in dem das Gehirn die am Tag gemach­ten Erfahrungen ordnet, was keinen Eindruck hinter­lassen hat, löscht, und insgesamt das Gehirn reinigt. Dafür schrumpfen sogar die die Nervenzellen stützenden Gliazellen, damit das Gehirn besser „gespült“ werden kann. Läuft dieser Reinigungsprozess nicht ausreichend oder ist er gestört, drohen Krankheiten wie Alzheimer oder andere Formen der Demenz. Nach zweieinhalb Stunden spannenden und informativen Vortrags dankte Dr. Stefan Brückmann dem Referenten mit einem kleinen Präsent im Namen des Begabten-Workshops und der Sankt Lioba Schule. Für die Schüler, die gerne noch mehr erfahren hätten, schickte Dr. Alexander Lehmann zahlreiche Links zu interessanten Videos und Internetseiten, die Dr. Stefan Brückmann an die Teilnehmer des Workshops verteilte. Bei Interesse können diese auch gerne noch später zugesandt werden.

Dr. Alexander Lehmann studierte Biologie in Heidelberg und promovierte in Frankfurt am Main am Max-Planck-Institut für Biophysik über das Netzwerk im Riechhirn. Seit 2013 entwickelt er Projekte und Formate bei der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die Wissen über das Gehirn greifbar und verständlich machen.

Bild und Text: Dr. Stefan Brückmann


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