Nicht ganz taufrisch wirkte die Gruppe aus 18 Schülerinnen und Schülern aus zwei zehnten Klassen und der E-Phase, als sie sich am 10.05.26 schon morgens um 5:30 Uhr vor der Schule versammelte, um die Taxis zum Frankfurter Hauptbahnhof zu besteigen. Auch Frau Dölle und Herr Gölzhäuser, die begleitenden Lehrkräfte, wirkten etwas wortkarg. Im Zug nach Italien taute die Reisegruppe langsam auf. Unter das Geplauder mischten sich auch italienische Brocken, waren doch Zettel im Umlauf, die zum Erlernen einiger Sätze dieser schönen Sprache anregten. Zeit zum Plaudern und Spielen gab es genug, denn die Zugfahrt ging bis ca. 21:00 Uhr nach Afragola bei Neapel, von wo uns noch ein Bus nach Avellino bringen musste. Dort warteten vor unserer Partnerschule, dem „Liceo Paolo Emilio Imbriani“, schon die italienischen Schüler mit ihren Familien. Die meisten kannten sich schon vom Besuch der Italiener her, die vom 09. bis zum 15.12.25 in Bad Nauheim gewesen waren.

Nein, Italienisch hatte noch keiner unserer Schüler zuvor richtig gelernt, wohl aber Latein, denn die Fahrt war vor allem für Lateinschülerinnen und -schüler angeboten worden, da es für diese Gruppe bisher keine Fahrt dieser Art an der Schule gibt. Im Vordergrund dieser „Mobilität“ im Rahmen des Erasmus-Programmes stand auch nicht die Sprache – die Verständigung in Italien fand vorwiegend auf Englisch statt -, sondern die Begegnung sowie das Kennenlernen der anderen Kultur und Geschichte und des Schulsystems. Wie verhalten sich die italienischen Schüler, wie ist ihr Verhältnis zu den Lehrkräften, wie lernen sie Latein, wie geht man mit Inklusionsschülern um? Zur Begegnung mit der Kultur gehörte natürlich auch, dass wir Avellino erkundeten, eine Fahrt ins nahe Pompeji unternahmen und Neapel besuchten.

Nirgendwo kann man aber eine Kultur so hautnah erleben wie beim Essen. Natürlich spielte in der Nähe von Napoli die Pizza Napoletana dabei eine leckere Hauptrolle, in der Gastfamilie oder in der Trattoria serviert. Das Entscheidende, so hatte man wieder einmal den Eindruck, fand trotz abwechslungsreicher Aktivitäten wie einer kleinen Begrüßungsfeier, einer Fotorallye im Ort oder eines Italienischunterrichtes vonseiten der italienischen Schüler nicht im Rahmen des Programmes, sondern in der Begegnung zwischen den jungen Leuten beider Länder und in den gastfreundlichen Familien statt. Es war für die Lehrkräfte schön, zu sehen, wie gerne und häufig sich die Italiener und Deutschen verabredeten und die Nachmittage zusammen verbrachten. Ein gutes Zeichen war, dass es manchmal schwierig war, bei Unternehmungen die deutschen Schüler zu zählen, da sie sich ganz gut unter ihre italienischen Freunde mischten. Am Nachmittag ging es manchmal zusammen mit den gastgebenden Eltern in die Umgebung, z. B. ins wunderschöne Salerno. Auch am Abend trafen sich viele privat, was das Schlafdefizit im Lauf der Woche verschlimmerte, aber der guten Stimmung keinen Abbruch zu tun schien.

Soll aber niemand sagen, dass die Fahrt nur ein netter Urlaub war. Immerhin gab es vom Montag bis zum Freitag Programm, meist in der Schule, während die Freundinnen und Freunde in Bad Nauheim in dieser Woche nur zwei Tage Schule hatten. Nur der Samstag war den Gastfamiien zur Gestaltung überlassen. Einige nutzten auch diese Gelegenheit für größere Unternehmungen, sogar zu Fahrten nach Rom.

Nach der erlebnisreichen und anstrengenden Woche war es am Sonntag, dem 17.05., im Zug recht still. Wer keine typisch italienischen Snacks knabberte, schlief oder lernte für die kommende Woche, denn am Montag ging es nahtlos mit der Schule weiter. Ja, anstrengend war es, aber für viele auch ein unvergessliches Erlebnis. Hoffen wir, dass sich aus dem Austausch mit unserer Partnerschule in Avellino eine dauerhafte Freundschaft entwickelt.

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