Willkommen

Seit Gründung der St.Lioba Schule im Jahr 1929 ist das Ziel unseres pädagogischen Wirkens die Studierfähigkeit und Persönlichkeits-bildung junger Menschen in einer christlichen Werteorientierung.

28 segensreiche Jahre an der Schule ihres Herzens

»Pflicht und Kür gemeinsam entfalten die Persönlichkeit« - Heute endet die Amtszeit von St.-Lioba-Direktorin Gisela Opp
 

Als der französische Orden der »Schwestern unserer lieben Frau« im Jahr 1929 in Bad Nauheim die St.-Lioba-Schule gründete, geschah dies unter schweren Rahmenbedingungen, fürchtete man in der Stadt doch die Konkurrenz zum staatlichen Ernst-Ludwig-Gymnasium. Sechs Jahre später hatten die Schwestern in der Tradition der charismatischen Namenspatronin, der Hl. Lioba (710-782), und ihrer mit Enthusiasmus verfolgten Bildungsbotschaft ein Lyzeum mit Kindergarten, Haushaltsschule und Familienpensionat eingerichtet.

Nach der Zwangsschließung der »weltanschaulichen Tendenzeinrichtung« durch die Nazis fanden hier zwischen 1938 und 1945 Verwundete, Vertriebene und Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf. Ende 1945 wurde die Schule wiedererröffnet und 1949 staatlich anerkannt. In demselben Jahr legte der erste Jahrgang seine Reifeprüfung ab, schon damals ein Zentralabitur Ab 1967 leitete Oberstudiendirektorin Sr. Mathild 25 Jahre lang die Schule, die sie mit großer Um- und Weitsicht vergrößerte und auch für Jungen und Christen verschiedener Konfessionen öffnete. Mit Übernahme des St. Lioba-Gymnasiums durch das Bistum Mainz als eine der ersten seiner Schulen im Jahr 1978 kam Oberstudienrätin Gisela Opp an die Schule. Acht Jahre später wurde der in Aachen aufgewachsenen Universitätsassistentin, Studienassistentin und Pädagogin für Französisch, Kunstgeschichte und Geografie die stellvertretende Schulleitung anvertraut. Als der Orden im Jahr 1992 die Schulleitung an das Bistum abgab, trat die junge Oberstudiendirektorin Gisela Opp das Amt der Schulleiterin an, um unter dem Leitsatz »Bewährtes wahren, Neues integrieren« das Lebenswerk ihrer Vorgängerin fortzuführen. Lebenslange Freundschaft verband die beiden außergewöhnlichen Frauen. Anfang Juli dieses Jahres starb Sr. Mathild und wurde unter großer Anteilnahme am 7.Juli beigesetzt, fünf Tage vor der offiziellen Verabschiedung ihrer Nachfolgerin im Amt an St. Lioba.

»Liebevolle Hinwendung zum Schüler«

Wenn Gisela Opp am heutigen 31. Juli, ihrem letzten Arbeitstag in der St.-Lioba-Schule, auf insgesamt 39 Jahre im gymnasialen Schuldienst zurückblickt, tut sie dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge - und mit besonderem Blick auf 28 segensreiche Jahre an der Schule ihres Herzens Die gesundheitliche Disposition zwingt sie, vier Jahre vor der Zeit die Leitung eines Gymnasiums weiterzugeben, das ihr Leben und das unzähliger Heranwachsender maßgeblich prägte und dem sie ein unverwechselbares Profil verlieh. »Nach 39 Dienstjahren glaube ich, den Schlüssel gefunden zu haben«, sagt sie vor dem Hintergrund des besonderen Bildungsauftrags der katholischen Schule in freier Trägerschaft. Es sei die liebevolle Hinwendung zum Schüler, die, unabhängig von der Schulform, seine Persönlichkeit ganzheitlich zur Entfaltung bringe, ihm in der Kontinuität Beheimatung und Verwurzelung gebe. Dazu gehörten im »Pflichtbereich« die Allgemeinbildung als Sockel und in der »Kür« zusätzliche freie Angebote zur individuellen Talentförderung. Erfolge in der Kür flössen als Motivationsmotor in die Pflicht zurück, der Mensch blühe als Ganzes auf. In ihrer Bilanz beschreibt Opp den Kern des Schulkonzeptes. Der breite Fächerkanon, dazu Projekte im gesellschaftswissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen, sprachlichen, sportlichen und musischen Bereich sowie die Schulseelsorge scharten sich in konzentrischen Keisen um eine Mitte, die Glaubensmitte.

Streng genommen begleitet die Einsicht, dass der junge Mensch nur ganzheitlich für die Bildungsbotschaft erschlossen werden kann, Gisela Opp ein Pädagogenleben lang. In einem Referat zur »Klassischen Bildungskonstante im Wandel der Herausforderungen« führte sie 2001 ihre Gedanken zur gymnasialen Bildungsentwicklung so aus: »Christliche Werteorientierung, ethische gesellschaftliche Normen, letzten Endes die Grundlagen unseres freiheitlichen Verfassungsstaates, Grundlagen der bis in die 68er bewährten humanistischen Bildung, wurden als zwanghaft abgelehnt. Das christliche Welt- und das personale Menschenbild mit der Menschenwürde des Einzelnen, mit Eigenverantwortung, persönlicher Einsatzbereitschaft, Freiheit und gesellschaftlicher Mitverantwortung löste sich in ein Weltbild mit vielen Beliebigkeiten. Doch das neue Patchwork-Weltbild »Nix is fix« führte nicht zum erwünschten gleichen Glück. Orientierungslosigkeit, Misstrauen, Aggressivität, Egoismen machten sich in allen Erscheinungsformen breit. ...Der methodische Verpackungskult ging zulasten des Inhalts. Das basisdemokratische Mitdiskutieren und Andenken auf dem kleinsten gemeinsamen Wissens- und Bildungsnenner befreite von persönlicher Anstrengung, vom ethischen Verantwortungsdruck der Persönlichkeitsbildung« Dem gegenüber bewahrten sich laut Opp konfessionelle Schulen in freier Trägerschaft Stabilität und Freiheit durch Rückbindung an ihr schulspezifisches Konzept.

Unterricht auf der Grundlage christlichen Menschen- und Weltverständnisses

Im Schulvertrag, den seit 1993 alle Eltern neuer St.-Lioba-Schüler und ab diesem Herbst auch alle 18-jährigen Schüler selbst unterschreiben, heißt das so: »Die St.-Lioba-Schule erteilt ihren Unterricht auf der Grundlage christlichen Menschen- und Weltverständnisses. Ihr Ziel ist es, den Schülern nicht nur Wissen zu vermitteln und sie zu Selbstbestimmung, verantwortlichem Handeln und zum Dienst an der Gesellschaft zu qualifizieren, sondern darüber hinaus günstige Voraussetzungen für eine umfassende Entfaltung aller menschlichen Kräfte und für die Pflege personaler Beziehungen zu schaffen. Unter Achtung der freien Entscheidung des Einzelnen will sie dem jungen Menschen helfen, ein Leben aus dem Glauben zu führen und sich in der Welt von heute als Christ zu bewähren«.

Dem Fördern und Fordern der jungen Menschen zugrunde gelegt ist ein Schulprofil, das als Zielsetzung nennt: »Durch ein breit gefächertes Bildungsangebot soll die persönliche Begabungsvielfalt qualifiziert gefordert werden, gymnasiale Allgemeinbildung und Studierfähigkeit werden durch Praxisbezug und berufliche Orientierungsprojekte ergänzt. Persönlichkeitsbildung, Bereitschaft und Fähigkeit aus christlicher Verantwortung in Familie, Gesellschaft, Kirche und Staat Aufgaben zu übernehmen, sind Leitlinien unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit«.

Verglichen mit staatlichen Gymnasien zählen zu den konzeptionellen Besonderheiten katholischer Schulen in freier Trägerschaft die freie Auswahl geeigneter Schüler mit besonderer Einsatzfreude in Fachunterricht, AGs, Klassen- und Schulgemeinschaft, die freie Auswahl fachlich wie pädagogisch qualifizierter Lehrkräfte, Schulseelsorge und Sozialeinsatz, Projekte zur wirtschaftlichen und beruflichen Orientierung sowie die begabungsdifferenzierende Förderung unter anderem in Schulprojekten, Auslandsaufenthalten, Stiftungen und Wettbewerben. Anders als staatliche Schulen bestreitet die St.-Lioba-Schule ihren gesamten Haushalt selbst, gespeist aus freien Spenden und einem Rücklagenfonds. Das Bistum Mainz als Schulträger bezahlt die Personalkosten, das Land Hessen schießt 75 Prozent des Bemessungssatzes pro Schüler zu, der in einer staatlich Schule zugrunde gelegt wird. Seit 2001 ist das Bistum Mainz überdies das einzige in ganz Hessen, das alle Lehrkräfte seinen 25 Schulen (bundesweiter Spitzenreiter) zu Kirchenbeamten machte und damit den Landesbeamten gleichsetzte.

320 Anmeldungen für 150 freie Plätze


Die stetig steigende Nachfrage nach Aufnahme in die St.-Lioba-Schulgemeinschaft - in diesem Jahr kamen auf 150 freie Plätze 320 Anmeldungen - gibt dem Konzept Recht. Als Ursachen angenommen werden die verschlechterten finanziellen und pädagogischen Rahmenbedingungen, die den staatlichen Gymnasien in Hessen durch ministerielle Maßnahmen in den neunziger Jahren auferlegt wurden, und der Wunsch der Eltern in Zeiten gesellschaftlicher Orientierungslosigkeit nach menschlichem Mit- und Füreinander in einer Erziehungsgemeinschaft mit christlicher Werteorientierung. Dazu gehören neben der individuellen Personalförderung unter anderem Eltern-, Schüler- und Lehrergremien, christliche Jugendgruppenarbeit von derzeit 250 Schülern, Patenschaften älterer Schüler für die Neuen, Freundeskreis, Schulstiftung, Eltern&Freunde-Chor, thematische Elternabende und Schülerprojekte, 55 AGs, Streicherklassen, Sozialpratikum, Berufspraktika, Reflektionstage, Wirtschaftspilotprojekte, mathematisch-naturwissenschaftliche und Umwelt-Projekte, Präsentationsschulung, Berufswahl- und Bewerbungstraining, Berufsbörse, Teilnahme an Landes- und Bundeswettbewerben, Kooperation mit Universitäten, Kultur- und Sozialeinrichtungen, mit der Kommune und überregionalen Firmen, internationale Chorfestivals, Theater-, Kunst- und Kulturvernetzung. Zur Öffnung nach außen gehört nach innen eine transparente Entwicklungsbilanz, beispielsweise in Form von umfangreichen Jahresberichten seit 1992.

Weit über die Gestaltung und Ausfüllung des eigenen Schulprofils hinaus muss das prägende Engagement von Schulleiterin Gisela Opp im großen Zusammenhang gesehen werden. Ihrer Zeit immer um ein paar Schritte voraus, bewegte sie die Dinge über Jahre jeweils landesweit im Vorstand der AG katholischer Schulen, im Vorstand der Bundesvereinigung der OStD staatlicher Gymnasien, als Vorsitzende der Schulleiter-AG katholischer Schulen in freier Trägerschaft und im Vorstand der AKS/Deutsche Bischofkonferenz. Maßgeblich beteiligt war Opp am bistumsweiten pädagogischen Konzept »Schule als Lebensfeld« und bei der Ausarbeitung der Grundlagen für die verkürzte Gymnasialzeit an den Bistumsschulen, der »Mainzer 8«.

Neuer Schulleiter: Dr. Tobias Angert

So verwundert es auch nicht. dass Gisela Opp zu ihrer Verabschiedung Vertreter aller schulpädagogischen Ebenen bis hin zu Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, die Ehre erwiesen und ihr in bewegenden Worten des Lobes und der Anerkennung große Fachkompetenz, Arbeitsfreude, Humor, Optimismus, Optimierung und bestens bestellte Felder bescheinigten. Diese wird nun erstmals in der Geschichte des St-Lioba-Gymnasiums federführend ein Mann beackern: Dr. Tobias Angert aus Hanau stellt sich beim traditionellen Lioba-Brunch am 17. September der Schulgemeinde als neuer Schulleiter vor. Ganz loslassen wird aber auch Gisela Opp ihre Bildungs-Berufung wohl nicht. Den Wunsch nach ihrer Beratung und Qualifizierungsarbeit äußerten bereits das Ministerium und das Bistum.

Annette Hausmanns, veröffentlicht in WetterauerZeitung, 31.Juli 2006