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Seit Gründung der St.Lioba Schule im Jahr 1929 ist das Ziel unseres pädagogischen Wirkens die Studierfähigkeit und Persönlichkeits-bildung junger Menschen in einer christlichen Werteorientierung.

Das Gehörte verarbeiten

Begegnung mit polnische Zeitzeugen bewegt Schülerinnen und Schüler der Sankt Lioba Schule

Am 20. September waren über 100 Schülerinnen und Schüler der Sankt Lioba Schule in Ilbenstadt zu Gast bei Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Polen, die vom 17. bis 23. September die Wetterau besuchten. Die Frauen und Männer im Alter zwischen 79 und 95 Jahren schilderten ihre Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Mit ihren Berichten aus jener Zeit wollen die Zeitzeugen die mahnende Erinnerung wach halten und die Jugend für eine friedliche Zukunft motivieren.

In drei Kleingruppen hörten sich die Jugendlichen aus der Einführungsphase der Oberstufe die Erzählungen der Frauen und Männer an, wie diese in jungen Jahren verhaftet, verschleppt und von ihren Familien getrennt wurden und unter welchen Umständen sie die Zeit der NS-Diktatur überlebten. Die Zeitzeugen erzählten aber auch von der Zeit nach ihrer Befreiung, wie sie später wieder in ihr Leben zurückfanden, Familien gründeten und warum sie sich heute für die Begegnung einsetzen.

Eine Zeitzeugin ist Henriette Kretz, die am 26. Oktober 1934 in einer jüdischen Familie in der damals polnischen Stadt Stanislawów geboren wurde. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1939 in Polen musste sie mit ihrer Familie immer fliehen, sich verstecken und letztlich miterleben, wie ihre Eltern erschossen wurden. Sie selbst konnte sich in einem Waisenhaus bei katholischen Schwestern verstecken und kam nach dem Krieg auf Umwegen nach Antwerpen, wo sie heute lebt.

Nach dem Vortrag herrschte betretenes Schweigen bei den Schülerinnen und Schülern. Die Schilderungen der Zeitzeugin mussten sich erst setzen und verarbeitet werden. Im Unterricht der kommenden Tage wurde jedoch klar, wie viel Gesprächsbedarf die jungen Menschen nach dieser Begegnung hatten. Folgende Botschaft gab die Zeitzeugin den jungen Menschen am Ende der Begegnung mit, die heutzutage wichtiger denn je zu sein scheint: „Lasst nicht andere für euch denken. Ihr seid schlau genug, selbst zu denken und das Richtige zu tun.“

Organisiert wurde der Besuch von verschiedenen Einrichtungen des Bistums Mainz in Kooperation mit dem Maximilian-Kolbe- Werk in Freiburg. Besuche von polnischen Zeitzeugen an Schulen im Bistum Mainz finden seit 2001 statt. Initiiert wurden sie von der katholischen Friedensbewegung Pax Christi im Bistum Mainz. Mit der Begegnungswoche in Ilbenstadt kam zum 30. Mal eine Gruppe polnischer Zeitzeugen ins Bistum Mainz. In diesem Zeitraum fanden Begegnungen mit über 200 Schulklassen statt.