Willkommen

Seit Gründung der St.Lioba Schule im Jahr 1929 ist das Ziel unseres pädagogischen Wirkens die Studierfähigkeit und Persönlichkeits-bildung junger Menschen in einer christlichen Werteorientierung.

Innige Liebe und tiefer Glaube eines Widerstandskämpfers

Ergreifende Lesung aus Moltke-Briefen

„Mögen solche Menschen wie das Ehepaar Moltke euch dafür sensibilisieren, dass es sich lohnt, stets entschlossen für eine demokratische Zivilgesellschaft einzutreten und wider jeden Zeitgeist moralische Werte nicht nur zu bejahen, sondern sie zu leben!“ So beendete Geschichtslehrer Hans Peter Wavra im Namen seiner Fachschaft am Donnerstag in der Aula der Sankt Lioba Schule seine Einführung zu einer Lesung aus den Briefen des Widerstandskämpfers Helmuth James von Moltke und seiner Ehefrau Freya. Er verwies dabei auf eine Reihe von Veranstaltungen zum Thema Widerstand gegen den NS-Staat und die DDR-Diktatur, womit die Schule die Bedeutung dieser Thematik immer wieder unterstreiche. Gemeinsam mit Schulleiter Bernhard Marohn begrüßte er mit den Berliner Schauspielern Claudia Schwartz und Jan Uplegger zwei Gäste, die bereits vor einigen Jahren unter Beweis stellten, dass der durchaus sehr private Briefwechsel der beiden Eheleute Freya auch heute noch weitaus mehr ist als nur ein Dokument einer tiefen Gläubigkeit und innigen Liebe. Ebenso herzlich wurde als Repräsentantin der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, die die Lesung großzügig unterstützte, Referentin Dr. Monika Hölscher begrüßt und natürlich die Schülerschaft der Einführungsphase in die Oberstufe.

Während der zwei Schulstunden umfassenden Lesung, die von Schwartz und Uplegger dermaßen fesselnd vorgetragen wurde, dass man über die gesamte Dauer der Veranstaltung die berühmte Stecknadel zu Boden fallen gehört hätte, wurde immer wieder deutlich, wie groß das Gottvertrauen des auf seine Hinrichtung wartenden Helmuth James von Moltke und die Intensität der Liebe zwischen den Eheleuten war. Dabei ist sich der Gutsherr des schlesischen Kreisau („Kreisauer Kreis“) stets bewusst: „Jeder Brief, den ich jetzt schreibe, wird von mir als der letzte angesehen.“ Der in Tegel inhaftierte Widerstandskämpfer träumt von einer unmöglichen Exekution, bei der Freya wie ein „Siamesischer Zwilling“ dabei ist. Die wiederum schreibt: „Ich will dich immer lieben dürfen, auch wenn ich alleine bleiben muss.“ Anrührend auch die Äußerungen über das alltägliche Leben am Gut in Kreisau, James‘ Essen in der Haft und dessen immer spürbare Sorge um Frau und „Söhnchen“. James bekennt „Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber animalische Angst vor dem Sterben. Ich habe gelernt zu sagen, Dein Wille geschehe.“ Erschütternde Einblicke in ein Leben zwischen Leben und Tod. Tod durch den Strang am 23.1.45, wenige Monate vor dem Ende Hitlers und des Nazi-Terrors. Freya wird 99 Jahre alt. Gefängnispfarrer Harald Poelchau hatte die Briefe gerettet.

Eine anrührende Lesung zweier Schauspielprofis. Und eine Botschaft, die angekommen ist. Auch Marei, Aileen, Sophia und Fabienne brauchen einen Moment, um Worte zu finden, sind sich aber sicher: „In Deutschland kann so etwas nie wieder vorkommen. Aber weltweit gibt es eine ganze Menge, was Sorge macht.“

Text: Dr. Hans-Wolfgang Steffek <7i>