
"Archäologen zu Gast" – so heißt das Projekt einer Gruppe Berliner Historikerinnen und Historiker, die per Videokonferenz Schulklassen besuchen, Vorträge zu verschiedenen Themen halten und mit den Schülerinnen und Schülern in den Austausch gehen. „Diese Idee ist während der Corona-Zeit entstanden und hat sich inzwischen als tolle Möglichkeit erwiesen, um auch über die Berliner Grenzen hinaus Schulen zu erreichen“, erklärte Dr. Frauke Sonnabend, die auf diese Weise im November den Vorleistungskurs Geschichte der E-Phase besuchen konnte.
Im Mittelpunkt ihres Vortrages standen archäologische Quellen - etwa Münzen, Statuen, Gräber oder Architektur - und deren Aussagekraft über die Veränderungen in der späten Republik und frühen Kaiserzeit. Am Beispiel der berühmten Statue der Kapitolinischen Wölfin, die Romulus und Remus säugt, zeigte Dr. Sonnabend eindrucksvoll, dass archäologische Funde durch neue Technik immer wieder hinterfragt und neu bewertet werden. So stellte sich heraus, dass die Statue deutlich jünger ist als ursprünglich angenommen. Die beiden Kinder, auf die die Gründungssage Roms zurückgeht, wurden sogar erst später hinzugefügt. Auch bei anderen Funden, etwa den Büsten bekannter Persönlichkeiten wie Marius, Caesar oder auch Augustus, erläuterte sie, dass diese ursprünglich farbig bemalt waren. Die Farbe verblasste im Laufe der Zeit und wurde nicht erneuert, als weiße Statuen eher dem damaligen Kunstgeschmack entsprachen. Anekdoten, wie diese über die in der Antike beliebte Frisur erfolgreicher Feldherren, die sich an der Haarpracht Alexander des Großen orientierten und dementsprechend mit voluminösen Locken darstellen ließen, erheiterten den Kurs und regten zu interessanten Diskussionen an.
Nach einem kurzen Überblick über die Gründung Roms, die Entstehung der res publica und die Ämterlaufbahn, alles Themen, bei denen die Schülerinnen und Schülern im Gespräch mit Frau Dr. Sonnabend ihr fundiertes Wissen zeigen konnten, kam die Historikerin schließlich zum Kern des Vortrages. Anhand des seltenen Fundes einer alten Stichwaffe erarbeitete sie gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, warum kaum Waffenfunde in römischen Gräbern entdeckt werden: Diese waren teuer in der Anschaffung, die Kosten mussten die Soldaten selbst tragen - als Grabbeigaben wären sie daher eine Verschwendung gewesen. Auf die Frage, wie man sich denn dann sicher sein konnte, welche Waffen die römischen Soldaten verwendeten und wie diese aussahen, präsentierte Frau Dr. Sonnabend ein Bild der berühmten Trajanssäule, deren Reliefs zahlreiche Darstellungen von Soldaten aus verschiedenen Feldzügen zeigen, weshalb man diese gut als Quelle heranziehen kann. Diese gelungene Verbindung von Hintergrundwissen und greifbaren Beispielen stieß auf großes Interesse: Die Schülerinnen und Schüler hoben hervor, dass sie ihr bisheriges Wissen auf neue Weise mit archäologischen Funden verknüpfen konnten. Da vorab die Möglichkeit bestand, mit Frau Dr. Sonnabend die Schwerpunkte abzusprechen, konnten die Schülerinnen und Schüler die Veranstaltung auch als willkommene Wiederholung für die bevorstehende Klausur nutzen. Daher empfanden sie auch das Frage und Antwort-Format, das ein fester Bestandteil des Vortrages ist, zwar als durchaus anspruchsvoll, aber durchweg bereichernd. Es bot ihnen die Gelegenheit, eigene Fragen zu stellen und so noch einmal eine neue Perspektive auf Persönlichkeiten wie Pompeius oder Augustus und deren Selbstdarstellungen zu gewinnen.
Zum Abschluss bedankte sich Frau Dr. Sonnabend noch einmal für den herzlichen Empfang durch den Kurs und betonte, dass deutlich mehr Kenntnisse vorhanden gewesen seien, als sie es in der Regel gewohnt sei – ein Kompliment, das die Schülerinnen und Schüler des Vorleistungskurses mit Freude entgegennahmen!
Text: Sabrina Willershäuser
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Dr. Frauke Sonnabend
