Die Verbindung der St. Lioba Schule mit unserer Partnerschule, der Institution St. Pierre in Caen in der Normandie, ist schon etwas Besonderes – sie besteht seit über 20 Jahren, und so konnten wir dieses Jahr ein Jubiläum, den zehnten Austausch, feiern. Und noch etwas Besonderes: Catherine Hoffmann, ehemalige Französischlehrerin der St. Lioba Schule, hat als dynamische Pensionärin den von Frau Baulig und Herrn Schiel organisierten Austausch begleitet. Sie war es, die einst den Austausch zusammen mit Hélène Doumenc, der Austauschpartnerin einer ihrer einstigen Schülerinnen, ins Leben gerufen hat. Mit dabei war auch wieder Anne-Marie Pay, ebenfalls pensionierte Lehrerin, die den Austausch nach wie vor alle zwei Jahre mitbetreut.
Dieses Jahr konnten sage und schreibe 45 Schülerinnen und Schüler unserer Schule sowie unserer Partnerschule aus den Jahrgängen 7 bis 9 am Austausch teilnehmen und jeweils 9 Tage im Partnerland verbringen. Einige Schülerinnen und Schüler waren zum zweiten Mal dabei, eine Schülerin aus der Q-Phase sogar zum dritten Mal. Neu war, dass der Austausch durch Erasmus Plus kofinanziert wurde, was eine erhebliche finanzielle Erleichterung für die Familien brachte.
Wie immer haben die Teilnehmenden intensiv das Leben in einer Familie und an einer Schule des anderen Landes kennen gelernt, viel Spaß bei gemeinsamen Aktivitäten in Schule und Freizeit gehabt, Beziehungen mit Menschen der anderen Nationalität geknüpft sowie einiges über Land und Leute, Kultur und Geschichte des Partnerlandes erfahren.
Unser Besuch in Frankreich fiel dieses Mal etwas kalt, windig und regnerisch aus, fand er doch aus Termingründen im Februar statt. Dennoch hat es viele Familien am Wochenende wieder ans Meer gezogen, zumal sich dort sehr viele interessante Stätten des Zweiten Weltkriegs und der Landung der Alliierten befinden.
Auch das gemeinsame Programm fand zum Teil an der Küste statt, da es unter dem Umweltthema „L’eau – das Wasser“ stand. So besichtigten wir bei einer interessanten Führung die historische Küstenstadt Saint Malo mit ihrer imposanten Festung. In einer Austernfarm in Cancale erfuhren wir allerhand Spannendes, u.a. über die Aufzucht und die Auswirkungen des Klimawandels sowie der Umweltverschmutzung auf diese Meerestiere. Bei einer Verkostung konnten mutige Schülerinnen und Schüler Geschmack und Konsistenz der Auster erfahren – es war äußerst amüsant, die sehr unterschiedlichen Reaktionen zu beobachten! Des Weiteren besichtigten wir die hervorragend gemachte Cité de la Mer in Cherbourg. Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine Stadt, sondern um ein riesiges, aus drei Teilen bestehendes Museum, das gleichzeitig ein Zentrum der wissenschaftlichen Forschung ist, das sich mit Ozeanen und deren Schutz beschäftigt. Das Highlight war für viele Schülerinnen und Schüler die Führung mittels Audioguide durch Le Redoutable, erstes französisches Atom-U-Boot. Beeindruckt waren sie aber auch von der Dauerausstellung über die Weltmeere einschließlich der Darstellung dessen, wie der Mensch durch sein Verhalten die Meere und damit das Leben auf der Welt verändert. Das riesige Aquarium mit Haien sowie die zahlreichen kleineren Aquarien mit bunten Fischen, Quallen, Seepferdchen, Kraken und allerlei maritimen Kuriositäten begeisterten alle. Im dritten Teil des Museums, das der Titanic gewidmet ist, konnten die Teilnehmenden auf 2.000 Quadratmetern die Geschichte des Luxusdampfers hautnah mittels Animationen, Augenzeugenberichten und verschiedenen Sinneserfahrungen miterleben. Cherbourg war der letzte kontinentale Hafen, an dem die Titanic vier Tage vor ihrem Untergang anlegte. Zu sehen ist ebenfalls die enorme Auswanderungshalle, die als eines der letzten erhaltenen Bauwerke dieser Epoche gilt.
Äußerst aufschlussreich war für das Projekt zum Thema „Wasser“, was die stellvertretende Bürgermeisterin von Caen, die eigens zur Begrüßung der deutschen Schülerinnen und Schüler in die Schule gekommen war, sowie Thierry Pay, Direktor in der Regionalverwaltung für Wasser, Küste und Umwelt, zu den Problemen mit Wasserknappheit in der Normandie, zum Umweltschutz und zu vorausschauenden Maßnahmen im Hinblick auf eine veränderte Zukunft zu sagen hatten.
Alles, was die deutschen und französischen Schülerinnen und Schüler während dieser 9 Tage in punkto Wasser und Umwelt erfuhren, brachten sie in gemeinschaftlichen Arbeitsphasen in der Schule in eine ansehnliche digitale Form. Darüber hinaus besuchten sie an mehreren Tagen den Unterricht sowie schulische Aktionen wie eine Preisverleihung oder die „Soirée élégance“ für die ganze Schule mit Musik und Tanz in der Sporthalle. Bei einem gemeinsamen Pizza- und Diskoabend in der Kantine war die Stimmung ausgelassen – ein wahrer Eisbrecher! Eine Besichtigung der Stadt Caen mit ihren imposanten Abteikirchen Abbaye-aux-Hommes und Abbaye-aux-Dames, dem stattlichen Rathaus, der majestätischen Burg und dem Yachthafen mit Dreimaster rundeten unseren Aufenthalt ebenso ab wie der Besuch des Maison du Biscuit in Sortosville mit seiner nostalgischen Fassade im Stil einer normannischen Straße mit kleinen Lebensmittelgeschäften. Dort probierten sich die Schülerinnen und Schüler durch die zahlreichen Plätzchensorten durch, die beständig in Unmengen nachgefüllt wurden, ließen aber auch ordentlich Geld beim Einkauf von Mitbringseln dort.
Der Rückbesuch der französischen Schülerinnen und Schüler sowie ihrer vier Begleitpersonen einschließlich Busfahrer Serge, der stets mit von der Partie ist, stand unter dem Zeichen der Märchen der Brüder Grimm. So ging es zunächst mit allen Teilnehmenden nach Kassel, wo sie die Grimmwelt erkundeten, Wissenswertes erfuhren und gleichzeitig Spaß mit der Erlebniswelt im Untergeschoss hatten. Außerdem fuhren alle gemeinsam nach Marburg, begleitet durch Frau Birkert und Frau Keuchel, wo sie von Führerinnen und Führern auf den Spuren der Brüder Grimm durch die Stadt geleitet wurden.
Neben dem Unterricht wurden in gemeinsamer Projektarbeit Märchen von Charles Perrault mit denen der Grimm-Brüder verglichen und verfremdet, d.h. vor allem modernisiert, was allen viel Freude bereitet hat. Manche Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen! Natürlich gab es auch weitere Aktivitäten, wie z.B. den obligatorischen Flammkuchenabend mit sportlichen Aktivitäten in der Schule sowie einen Bowling-Abend, was die französischen Gäste und die deutschen Schülerinnen und Schüler noch einmal mehr zusammengeschweißt hat. Für die französischen Gäste war es eine besondere Ehre, von der Schulleitung mit deutschen Süßigkeiten und Laugengebäck begrüßt sowie von Bürgermeister Klaus Kreß höchstpersönlich sowie einem Mitarbeiter und einer Mitarbeiterin im Rathaus höchstpersönlich empfangen zu werden. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert von dem gesamten Austausch. Viele haben tolle Erfahrungen mit ihrer Gastfamilie und ihrem Austauschpartner/ihrer Austauschpartnerin sowie weiteren Angehörigen der anderen Nationalität gemacht, haben Geschenke und rührende Karten erhalten. Darüber hinaus waren sie stolz darauf, dass sie ihre Französischkenntnisse hatten anwenden und verbessern können und glücklich darüber, so viel Interessantes, Neues und Spannendes erfahren und erlebt zu haben, was sich auch in ihren größtenteils liebevoll und ausführlich gestalteten Berichten über die Zeit in Frankreich niederschlug. Eine ganze Reihe halten weiterhin Kontakt zu ihren Partnerinnen und Partnern und visieren eine erneute Teilnahme in zwei Jahren an, manche von ihnen, sogar ganze Familien, besuchen sich sogar gegenseitig. Wieder mal ein Erfolg auf der ganzen Linie!
